- Ich wünschte, du
könntest den Kummer des Landwirtes sehen, als sein Lebenswerk in Flammen
aufging oder die Familie, die nach Hause kam, und ihr Haus, ihre Wohnung
und ihre Habseligkeiten beschädigt oder sogar zerstört vorfindet.
- Ich wünschte, du
könntest die Furcht in den Augen einer Tochter bei einen Unfall sehen,
wenn ich ihrem Vater den Puls fühle und keinen finde. Ich beginne
irgendwie mit Wiederbelebungsmaßnahmen, hoffe wieder besseres Wissen ihn
zurückzuholen, aber ich weiß, daß es zu spät ist. Aber seiner Familie muß
ich das Gefühl geben, daß alles Mögliche getan würde.
- Ich wünschte, du
könntest den unvergleichbaren Geruch von brennenden Isolierungen, den
Geschmack von Ruß auf deinen Schleimhäuten, das Gefühl der intensiven
Hitze, die durch deine Ausrüstung dringt, das Geräusch der lodernden
Flammen und die Beklemmung, absolut nichts durch diesen dichten Rauch zu
sehen, nachempfinden. Für die Außenstehenden "Sensationen, an die ich mich
aber schon gewöhnt habe und mit denen ich vertraut geworden bin."
- Ich wünschte, du
könntest verstehen, wie es ist, am Morgen zur Arbeit zu gehen, nachdem du
den Großteil der Nacht wieder im Einsatz verbracht hast.
- Ich wünschte, du
könntest meine Gedanken lesen, wenn ich zu einem Verkehrsunfall gerufen
werde. Wieviel Personen sind verletzt, sind sie eingeklemmt, liegt das
Fahrzeug auf dem Dach, oder ist es um den Baum gewickelt, welche
Rettungsgeräte setze ich ein, sind meine Kinder oder meine Ehefrau mit dem
Auto unterwegs, wollten sie nicht gerade diese Stecke fahren.
- Ich wünschte, du
könntest die Frustration im Mannschaftsraum des Einsatzfahrzeuges fühlen,
wenn der Maschinist wieder und wieder auf den Schalter des Folgetonhorns
drückt und vergeblich versucht sich "Freie Fahrt" zu verschaffen. Wenn du
uns brauchst, wann auch immer es ist, deine ersten Worte nach unserem
Eintreffen werden sein: "Es hat fast eine Ewigkeit gedauert bis ihr hier
wart!"
- Ich wünschte, du
könntest dich so zurückhalten wie ich, wenn du nach einem Verkehrsunfall
die Straße absperren muß, weil zweihundert Meter weiter ein toter Mensch
liegt, die Autofahrer dich aber anschreien, weil sie nun einen Umweg
fahren müssen und zu spät ins Kino oder zu ihrer Verabredung kommen.
- Ich wünschte, du
könntest meine Gedanken lesen, wenn ich helfe, einen 18 jährigen jungen
Mann aus den zertrümmerten Resten seines Leihwagens zu retten, der Wagen
über 200 PS hat, viel zu schnell für den Führerscheinneuling. Wie werden
seine Eltern reagieren, wenn vor ihrer Tür ein Polizist steht, der seine
Mütze in Händen hält?.
- Ich wünschte, du
könntest dabei sein, wenn der Notarzt das hübsche 3 Jahre alte Mädchen für
tot erklärt, nachdem ich zuvor 20 Minuten lang versucht habe es aus dem
Fahrzeug zu befreien. Es wird nie mehr die Worte "Ich liebe dich Mama!"
sagen können.
- Ich wünschte, du
könntest verstehen wie es ist, wenn du die Personen aus dem Fahrzeugwrack
gerettet hast und auf einmal eine Frau nach ihrem Kind schreit. Nach einer
Suche findest du dann das 2 Jahre alte Kind 30 Meter entfernt im Wald,
weil es nicht angeschnallt war und durch den Aufprall soweit geflogen ist.
Wie bringt du der Mutter bei, daß ihr kleines Mädchen tot ist.
- Ich wünschte, du
könntest dir die physische, emotionale und mentale Belastung von stehen
gelassenem Essen, verlorenem Schlaf, verpasster Termine und entgangener
Freizeit vorstellen, zusammen mit all den Tragödien, die meine Augen
gesehen haben.
- Ich wünschte, du
könntest die Kameradschaft und die Befriedigung, Leben gerettet oder
jemandes Eigentum geschützt zu haben, erfahren, da zu sein zur richtigen
Zeit, am richtigen Ort, in der Gefahr oder aus der Hektik und dem Chaos
heraus Ordnung zu schaffen.
- Ich wünschte, du
könntest das nächste mal Nachdenken, wenn du uns im Wirtshaus oder beim
Heurigen triffst bevor du uns als "Saufverein" abstempelst: "Warum haben
Sie sich überhaupt getroffen? Wieviele Stunden Ihrer Freizeit haben Sie
gerade zum Wohle der Allgemeinheit geopfert, um zu Üben oder jemanden in
einer Notlage zu helfen?"
- Ich wünschte, du
könntest........
Solange Du dieses
Leben nicht durchgemacht hast, wirst Du niemals wirklich verstehen oder
einschätzen können, wer ich bin, was wir sind oder was uns unser Ehrenamt
wirklich bedeutet. |